AfD fürs Heimatlande

Kommentar von Sven Wenig

Was musste die Dichtkunst schon alles ertragen! Und siehe: Es gibt sie noch!
Hoffen wir, dass sie auch den nächsten herben Schlag übersteht!

Die AfD nämlich fängt plötzlich an mit dem Reimen. Den Anfang macht Wiebke Muhsal, die ich schon vom Sehen kannte, noch bevor sie bei der AfD einstieg. Da wusste ich natürlich noch nicht, dass sie gern neben NPD- Anhängern Deutschlandfahnen schwingt. Auch von ihrem Plakat war noch nichts zu ahnen mit dem unsäglichen Spruch: „Wir gedenken aller Opfer des Konzentrations- und Speziallagers Buchenwald“. Die Geschichte dieses Spruchs übergehe ich an dieser Stelle – die Geschichte eines Textentwurfs der Thüringer AfD für einen Gedenkkranz zum Tag der Befreiung von Auschwitz. Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, hatte zurecht darauf hingewiesen, dass eine Gleichsetzung von Konzentrationslager und Speziallager eine Provokation darstellt (zumal bei diesem Anlass). Mir aber soll der Hinweis genügen: Wiebke Muhsal brachte es zudem fertig, den Spruch auf ein Plakat zu drucken, das sie mit fröhlichem Lachen zeigt.

Aber wenden wir uns der Frage zu: Wenn die AfD angetreten ist, um Deutschland zu retten, was bedeutet das für die deutsche Lyrik? Wie also setzt die AfD ihre ureigene Mission des „Bewahrens“ der „antiken und germanischen Wurzeln“ (Zitat Höcke) um, sobald sie sich selbst ans Werk macht? Das Ergebnis lässt einen schaudern!

Zunächst fängt alles ganz harmlos an. Wiebke Muhsal nämlich erknittelt sich folgenden „Vers“:

„Thüringen auf Höcke schwört,
auch wenn es Bernd und Olaf stört.“

Damit zeigt sie nun zwar weder Talent noch Sprachgefühl, aber man könnte es noch als Albernheit abtun. Wobei freilich schon arg verdächtig ist, dass man diese Albernheit munter auf Facebook verbreitet (der Beitrag bringt es auf 202 „Likes“ und wird 17 Mal geteilt).

Aber es kommt schlimmer.

Eine Dame schreibt unter diesem Eintrag: „Wie poetisch“. Ironie ist bei dieser Aussage leider nicht zu erkennen. Man könnte hoffen, die Dame hätte einfach vergessen, die Ironie zu markieren. Wer aber auf die Urteilsfähigkeit der AfD-Sympathisanten hofft, wird eines Besseren belehrt.

Ein „Stefan Ziemer“ nämlich (wir erweisen seinem Werk mal die „Ehre“ und nennen ihn als Verfasser) erdichtet sich Folgendes:

„Solln die Beiden uns verlassen,
mit ihnen gehen keine Massen.
Auch Oskar, Jens und Siegfried
singen wir kein Trauerlied.
Wir wollen nunmehr keinen Streit,
zu großen Taten sind wir nun bereit.
Patriotismus ist keine Schande
kämpfen wir fürs Heimatlande!“

Himmel hilf! – Dem Heimatlande wird bei dieser Ansage ganz bang. Dass ein „Gotthold Ephraim Lessing“ diesen Beitrag likt, der öfters auf den Seiten der AfD mitdiskutiert, mag auch nur bedingt zur Erheiterung beitragen. Aber egal!
Jedenfalls fühlt sich nun auch ein weiterer Kämpfer fürs deutsche „Heimatlande“ angestachelt, den Kampf mit den Reimen auszutragen. Und er sei abschließend zitiert zur Beantwortung der Frage, ob sich bei der AfD doch talentierte Reimer finden lassen. Zumal er immerhin feststellt, es ginge doch „noch ein Stück besser“. Und der AfD- Sympathisant zieht – Donnerwetter! – mit einem Zweizeiler in den Kampf um die AfD- Dichterkrone:

„Die AfD ohne Lucke,
wie nun weiter Herr Höcke?“

Man sieht also: Auch die Dichtkunst soll bei der AfD eine Rolle spielen, wenn es darum geht, „Deutschland zu retten“. Freilich munkeln Kenner inzwischen schon: Wären diese Verse der Preis der Rettung, würde die Dichtkunst es dann doch lieber vorziehen, wenn sich Deutschland schleunigst abschaffen würde!