Hat Israel Gasa geflutet?

Am 23. Februar erschien bei Al-Jazeera eine Meldung, laut der Israel absichtlich Dämme im Süden geöffnet habe, um Gaza ohne Vorwarnung zu überfluten. Die französische Agentur AFP übernahm die Meldung unter der Schlagzeile: „Dorf in Gasa geflutet, nachdem Israel die Dämme öffnete“. Auch in dieser Meldung wurde behauptet, Israel habe mit Absicht gehandelt. Viele Zeitungen und Nachrichtenportale übernahmen die Meldung, „The Israel Project“ spricht von mehr als 1000 Meldungen und Videos (man kann sie bei Google & Co. aufsuchen). Darunter die britische Daily Mail, Palestine News Network (Israel’s Dam Opening and Home Flooding Aggravates Gaza Catastrophe), Intifada Palestine, der russische Sputnik international (Israel Opens Dams Into Gaza Forcing Palestinians to Evacuate) und Irans PressTV (Israel opens dams‘ gates, floods Gaza) sowie zahlreiche vorgeblich aufklärende Portale mit sprechenden Namen wie Antiwar.com (Hundreds Displaced as Israel Opens Dam, Flooding Gaza Villages), Media with Conscience (sic!) (Gazans flee floods caused by Israel’s dams opening), Center for Research on Globalization (Humanitarian Crisis: Israel’s Open Dams Flood Gaza, Hundreds Evacuated), World War 4 Report (Israel behind Gaza flooding?).

Am 25. Februar veröffentlichte Al-Jazeera eine Entschuldigung für die Story.

 “Editor’s note: An earlier version of this page hosted an article which stated that Israel had, without warning, opened a number of dams, which had resulted in a part of Gaza being flooded. This was false. In southern Israel, there are no dams of the type which can be opened. We apologize for this error.”

Die Daily Mail entschuldigte sich, AFP nahm Meldung und Video vom Netz, ohne sich zu entschuldigen, und die anderen?

Jeder weiß, daß es oft schwer ist, Nachrichten zu überprüfen – trotzdem ist es der Job der Journalisten. In dem Fall wäre es kinderleicht gewesen – ein Atlas, ein Geographiebuch genügten, um sich zu überzeugen, daß es im Süden Israels keine Dämme und Ströme gibt, mit denen man die Wüste Negev, Ägypten oder den Gasastreifen überfluten könnte. Zumindest die lokalen palästinensischen Agenturen hätten es ohne nachzuschlagen wissen können.

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