Antisem*ten – hungarian style

Hierzulande wollen nicht mal die Antisemiten antisemitisch sein. (Daß sie in Schulungen gelernt haben, daß auch die Araber Semiten sind und „daher“ die Juden die eigentlichen Antisemiten, steht auf einem andern Blatt). In Ungarn können sie etwas offener sein. Auch wenn sie das J-Wort scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Eine Seite beschäftigt sich mit einem FKK-Bild, das die deutsche Kanzlerin als junges Mädchen zeigen soll. Fachmännisch beurteilen sie die Echtheit des Bildes (nicht nur das Gesicht, auch der ungewöhnlich kurze Hals … offenkundig rassen“biologisch“ geschult die Jungs). Aber das ist nur Beiwerk zu der eigentlichen Enthüllung. Die deutsche Kanzlerin hat jüdische Wurzeln, und damit ist alles klar, jüdische Weltverschwörung, Federal Bank, Lenin, Illuminaten, Lutheraner, Al Gore… alles ein Klüngel. Vorgetragen und bewiesen („see the pattern?“) per Akklamation:

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„Strahl des Himmelslicht“

Viele Rechtsradikale haben eine Vorliebe für feste Reime, seien es sächsische Narzisten oder Greifswalder sogenannte „Freie Kräfte“,

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die ihren geliebten Ernst Moritz Arndt (im Bild) verehren, aber seine schon etwas groben Reime noch verschlimmern und mit der deutschen Sprache auf keinem guten Fuß stehen (Arndt konnte das besser):

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Außerdem haben sie seit einigen Jahren ihr Faible für Semiten entdeckt. Geschulte Kräfte in Deutschland genauso wie zum Beispiel in Rußland kennen sich aus, wenn sie den Vorwurf des Antisemitismus zurückweisen mit dem Argument, die Araber seien ja auch Semiten (seien die eigentlichen, ursprünglichen Semiten, wie mir ein russischer Dummkopf vor 2 Wochen an den Kopf warf, gelernt ist gelernt!). Und auch die Greifswalder Unfreien (das Bild unten ist ein Schnappschuß von ihrer Website, vor dem NPD-Büro samt „pommerschem Buchversand“ in Anklam, wo sie den Text des Gedichts von Arndt nachlesen können) bekunden ihre Solidarität mit Palästina und schaffen es, ihre Vorliebe für platte Reime in den Dienst der palästinensischen Sache zu stellen:

Bildschirmfoto 2014-08-17 um 00.04.14Ich fasse zusammen: die Reime platt, das Metrum holprig, die Mode – naja, aber das Englisch geht schon.

 

Fünfte Kolonne

Die russischen „Patrioten“ von „Unser eines Rußland“ reden viel über die „fünfte Kolonne“ im Land, sie nennen so Leute, die dem nationalistischen Taumel nicht erliegen und kritische Fragen stellen. Nein, sie definieren das wissenschaftlich: „Die fünfte Kolonne ist eine Organisation innerhalb des Landes, aus dem Ausland gesteuert, deren Tätigkeit darauf abzielt, dieses Land zu zerstören, aber getarnt als eine Volksbewegung. Die fünfte Kolonne hat ihre Führer, die sind im Ausland in Sonderschulen ausgebildet in Psychologie und Redekunst. Die Fünfte Kolonne hat ihre eigenen Medien“ usf.

Heute kommentieren sie einen Blogeintrag des Rockmusikers Arsenij Makarewitsch von „Maschina wremeni“ (Zeitmaschine). Igor Osetinski: „Du liebst Rußland nicht? Scher dich zum Teufel!“ Alexander Shuraljow zeigt einen Revolver und schreibt: „Mehr hat er nicht verdient“. Galyna Latierra will das nicht einmal lesen, und Dmitri Bobow meint: „Jüdische Krätze“. Alexander Sinelnikow: „Ist es nicht Zeit, auf Wiedersehen zu sagen und Makar nach Israel zu schicken!“ Sergej Kolesnikow spricht mit Abscheu von „liberalen Randfiguren und Päderasten aller Art“. Alina Besuch empfiehlt, ihn aus dem Land zu werfen, zusammen mit den Nemzows*, Sobtschaks** und Borowyms. „Ich hab das Judenpack satt. Sollen sie in ihrem Israel selig werden.“ Achja, und: „Sie verderben unsere Kinder“.

* Boris Nemzow, Putinkritiker

** Xenija Anatoljewna Sobtschak, oppositionelle Aktivistin.

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Schwule Zwangspuffs

Einer der Anführer der Terroristen Ihor Girkin (Strelkow) „Schütze“ schrieb am 04.08.2014 in seinem Profil:

„Die Kyiwer Verbrecher beschlossen auf eine sehr hinterhältige Art und Weise, die europäischen Kredite abzuarbeiten. Die Junta hat kein Gewissen mehr, die Repressalien gegen das eigene Volk sind nichts im Vergleicht zu dem, was die Verbrecher mit den gefangenen Aufständischen machen. Sie richten in den Kindergärten in Slowjansk und Kramatorsk Puffs für Schwule ein, deren Dienste gerne die Vertreter der europäischen Sexualminderheiten in Anspruch nehmen. Am öftesten sehen die Anwohner dort Belgier, Niederländer und Deutsche. „Bedienen“ sollen sie die gefangenen Aufständischen. So wollen die Ukrope (abwertend für Ukrainer) die Kredite des Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Diejenigen Aufständischen, die als „schwule Prostituierte“ nicht arbeiten wollen, und das sind fast alle, werden vergewaltigt, geschlagen, oder müssen hungern.“

Euromaidan kommentiert:

man würde denken, dass so was niemand glauben könnte. Es gibt aber genug Menschen in den postsowjetischen Ländern, die eine Heidenangst vor Schwulen haben. Vor der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU 2013 wurde in der Ukraine von der Partei „Die Wahl der Ukrainer“ (Inhaber der Partei Viktor Medwedtschuk) eine großangelegte Werbecampagne gegen das schwule Europa – „Gayropa“ – durchgeführt. Der Ex-Premierminister Mykola Asarow schrie im Dezember 2013 von der Bühne des Anti-Maidan aus „Wollt ihr die schwulen Europäer hier haben???“

Ein Porträt von "Igor Strelkow - russischer Patriot! Soldat des Großen Imperium! Widmete sein Leben dem Dienst an Russland."

Ein Porträt von „Igor Strelkow – russischer Patriot!
Soldat des Großen Imperium! Widmete sein Leben dem Dienst an Russland.“