Vaterländische Lyrik

Gefunden in einer russisch-„prorussischen“ Facebookgruppe. Feindbildpflege – die Ukrofaschisten und ihr äffischer Hintermann Obama („Abama“).

faschistische heroen mordend
die junge generation betrügend
neumilliardäre aus dem blut
obama ist das recht – er kam selbst aus dem nirgendwo
makake aus hawaianischen dschungeln …

Karte im Kopp

Irgendwann vor 30 Jahren hörte ich vermutlich im Deutschlandfunk einen Reporter aus Peking erzählen, daß er mit dem Taxifahrer sprach und der überzeugt war, daß Albanien eins der größten und wichtigsten Länder Europas sei. Kein Wunder, die hatten einen riesigen Propagandaapparat in Print und Funk. Hab den Ton von Radio Tirana bis heute im Ohr. Eben dachte ich daran, als ich dieses Bild sah, das auf russischen Netzwerken kursiert. Netzwerke nicht ausschließlich von Wirrköpfen, Hetzen und tumben Toren, wie es sie bestimmt in jeder Sprache gibt, sondern in dem Fall ein auch von Akademikern mitbeliefertes Netzwerk, das mir „Freunde“ empfehlen. Dort gibts, soweit ich sehe, alles das, Hetzer, Wirrköpfe und Toren, aber auch Menschen wie du und ich. Ich weiß was ich sage, habe hingesehen und auch gelegentlich mitzusprechen versucht.

Eben also eine Fahne, die eine „Karte im Kopf“ impliziert:

ukrope

Wortbildungen mit „Ukr-“ sind bei denen beliebt, bist du ein Ukre? wurde ich gefragt. Ukrofaschisten, Ukro-Sonstwas. Heute früh las ich Ukropithecus.

Ukrope, ein „gutes“ Simpelwort, und die Welt im Kopf ist in Ordnung.

In Deutschland

Eine pro-palästinensische Kundgebung ist am Samstagabend eskaliert. Ein Ehepaar aus Jerusalem, das zufällig den Weg der rund 800 pro-palästinensischen Aktivisten kreuzte, wurde von den Demonstranten massiv bedroht.

Als die demonstrierende Menge den Kippa tragenden Israeli erblickte, durchbrachen einige von ihnen die Menschenkette, die Polizeibeamte zum Schutz des Paares gebildet hatte. »Nazimörder Israel!«, »Scheiß Juden, wir kriegen Euch!« und »Wir bringen euch um!«, riefen die Aktivisten und versuchten, die Israelis zu attackieren.

»Hätte die Polizei uns nicht geschützt, hätten sie uns wohl umgebracht«, sagte die israelische Ehefrau der Jüdischen Allgemeinen. »Wir sind geschockt.« Nach eigener Aussage sind die beiden Israelis seit Mitte dieser Woche in Berlin, um dem Beschuss des jüdischen Staates durch die Hamas für ein paar Tage zu entkommen: »Das uns der Konflikt bis in den Urlaub nach Berlin verfolgt – unglaublich!« Nachdem Polizeibeamte das Paar in Sicherheit gebracht hatten, setzte die Kundgebung ihren Weg, der vom Alexanderplatz bis Unter den Linden bis zum Potsdamer Platz führte, fort.

BEDROHUNG Bereits kurz zuvor war es zu einem weiteren gewalttätigen Zwischenfall gekommen. Nachdem einzelne Aktivisten drei Fotografen einer Nachrichtenagentur vergeblich aufforderten, ihre Arbeit einzustellen, wurden auch diese bedroht. »Wir kriegen euch«, »Wir wissen wo ihr wohnt« und »Zionistenpresse« riefen mehrere anti-israelische Demonstranten ihnen zu. Durch das Eingreifen der Polizei konnte ein Angriff auf die Journalisten verhindert werden.

Zu der Kundgebung aufgerufen hatten mehrere palästinensische und linken Gruppen wie der Studierendenverband der Linkspartei (SDS) über die sozialen Medien. Bei der Stadt angemeldet war die Demonstration zuvor nicht. Erst vor Ort gaben die Aktivisten der Polizei Bescheid, die die Kundgebung wegen des Demonstrationsrechts kurzfristig erlaubte.

Trotz der Mahnungen des palästinensischen Organisators, auf Hass und Gewalt zu verzichten, hielten mehrere Demonstranten die Fahne der Hamas hoch und riefen zum gewalttätigen Widerstand gegen Israel auf. Einzelne Demosntranten riefen in Sprechchören immer wieder Parolen wie »Israel ist, ein übler Faschist«, »Gaza ist das neue Warschauer Ghetto« und »Judenmörder Israel«. / Jüdische Allgemeine

Putins Humor (3)

Worüber meine russischen Freunde lachen:

krolikAuf dem Bild rechts der ukrainische Ministerpräsident Jazeniuk.

Text: „Früher züchteten die Ukrainer Kaninchen – heute züchten die Kaninchen Ukrainer“.

Dieses Bild kursiert seit Wochen auf den „einschlägigen“ Seiten, höchstens einen Klick entfernt von meinen intellektuellen Freunden.

Sie haben wenig Respekt vor der ukrainischen Kultur und Sprache – sie meinen, daß es eigentlich zu Rußland gehört. Die Frage, wie Moskau aussah zur Zeit der Kiewer Rus, weisen sie als Provokation zurück.

 

Und sie scheinen zu meinen, daß ein Staatsmann so

so

oder so auszusehen hat:

Ich wundre mich und beobachte weiter.

 

Propagandadreck

Die Kommentare über Olga Wieber sind heftig, weit unter der Gürtellinie, sehr weit. In der Hölle möge sie verbrennen, schreiben die einen. An einen Panzer gebunden und zerrissen werden, schreibt ein anderer. Sie, das „stinkende Biest“, die „faschistische Schlampe“. Erst Hunderte, dann Tausende russischsprachige Internetnutzer beschimpfen die 45-Jährige in den sozialen Netzwerken. Olga Wieber sitzt derweil mit ihrem Mann und ihrem Sohn im badischen Waldkirch – und weiß nicht, wie ihr geschieht. Plötzlich steckt sie mittendrin im Ukraine-Konflikt, der weit entfernt tobt.

An diesem Abend, es ist der Freitag vergangener Woche, hat eine prorussische Untergrundorganisation namens „Cyberberkut“ im Internet Screenshots eines Facebook-Gespräches veröffentlicht. Darin unterhält sich die angebliche deutsche Ärztin Olga Wieber mit dem Timoschenko-Vertrauten Serhij Wlassenko und dem Kommandeur eines ukrainischen Freiwilligenbataillons. Es geht um die Lieferung von Herzen, Nieren und Lebern. Entnommen werden sollten sie gefallenen oder schwer verletzten ukrainischen Soldaten. Daneben steht der Link zu Wiebers Facebook-Account.

Der Haken: Die Geschichte ist frei erfunden. / Spiegel

Keine Meinung, sondern überprüfbarer Fake. Trotzdem geteilt und geglaubt von sich kritisch vorkommenden Zeitgenossen, wie hier

Bildschirmfoto 2014-07-13 um 05.54.24

Putins Humor (2)

Der Humor blüht in Putins Rußland. Oder vielleicht auch – wie dieser Beitrag von „politikus.ru“ nahelegt – die Repression anderer Meinungen, nun ja, zi-vi-li-siert sich. Statt ins Gulag steckt man Andersdenkende ins Klo. Dort steht:

Fünfte Kolonne ins Klo

Den Fußboden der Toiletten am Kiewer Bahnhof in Moskau zieren Porträts bekannter Musiker, Schauspieler und Journalisten, die „die russische Aggression gegen die Ukraine verurteilten“ [Anführungszeichen des Originals]. Die Zeiten ändern sich, und die Methoden der Gewalt* werden verbessert. Wurden sie früher im Klo nass gespritzt, werden sie jetzt darin verewigt**. Also, Vertreter der schöpferischen Intelligenz, die die Handlungen der ukrainischen Behörden zur Vernichtung der friedlichen Bevölkerung des eigenen Landes unterstützen, wurden in der Toilette wie Sterne auf dem Walk of Fame ausgelegt. Zunächst wurde diese Ehre Andrej W. Makarjewitsch und Wiktor A. Schenderowitsch zuteil. Neben Makarjewitsch und Schenderowitsch wurde diese Ehre verliehen an den Journalisten und Schriftsteller Dmitri Bykow und die Musiker Alex Courtney und Juri Schewtschuk. Teilnehmer dieser „fünften Kolonne“ wurden auch Sergej Lasarew, der kürzlich in einem Interview sagte, dass die Krim für ihn ukrainisch bleibt, Oleg Basilaschwili, der die Milizen im Donbass und Lugansk Schurken nannte, und der Schriftsteller Boris Akunin, der sagte, dass Putin böse enden wird.

Walk of fame po-russki

*) Repressalien, Gewalt, Strafe, Massaker

**) ja, das steht so da. Anscheinend versteht man das und findet es lustig.

Krieg der Bilder

Funde unter den hashtags #SaveDonbassChildren und #StopUkrainianArmy