Shit-Stürmer

Seit der Krimbesetzung werden deutsche Medien mit angeblicher Hörer- und Leserpost überflutet, vor allem mit Facebook-Kommentaren. Die Meinungsäußerung – ein wichtiges Feedback für Redaktionen – stammt derzeit oft von anonymen Absendern. Manche sind überzeugt: Moskau zieht dabei die Fäden.

„Prorussische Separatisten werben für eine Abspaltung von der Ukraine.“

Zeigt die Deutsche Welle Fernsehberichte über den Konflikt um Krim und Donbas, hagelt es häufig Kritik. Vor allem auf der russischsprachigen Facebook-Seite des Senders. Ingo Mannteufel, Leiter der Russland-Redaktion, erlebt mitunter ganze Shitstorms.

„Das sind teilweise wüste Beleidigungen deutscher Politiker oder auch der Bundeskanzlerin insbesondere, häufig auch mit antisemitischen Untertönen, antiamerikanischen Untertönen, die sich dann gegen die Regierung in Kiew richten. Es richtet sich dann gegen unsere Berichterstattung, wir wären einseitig und wir würden nicht objektiv das darstellen.“

„Käufliche Journalisten!“ kommentieren kritische Facebook-Nutzer. Und: „Faschistische Herren!“

Mannteufel wundert sich über den hasserfüllten Ton. Stutzig macht ihn vor allem aber die verschleierte Identität der Schreiber.

„Wenn Sie sich dann die Facebook-Seite so einer Person anschauen, dann stellen Sie fest, dass die häufig sehr kurz vorher oder vor wenigen Tagen erst entstanden ist, dass sie sehr wenig Angaben zur Person auf dieser Seite finden. Also wenig Fotos, wenig Angaben zur Herkunft, Gefällt mir. Mehr noch: Man hat auch den Eindruck, dass diese Fotos, wenn es dann Fotos gibt, dass es nicht die echten Fotos sind, sondern die aus dem Internet zusammengeklaubt sind.“

Ähnliches beobachtet Boris Reitschuster. Der Moskau-Korrespondent des Magazins „Focus“ wird ebenfalls von mysteriösen Internetnutzern attackiert.

„Auffälligkeiten sind zum Beispiel, dass sich die Argumentation sehr sehr stark wiederholt – es geht bis dahin, dass die Rechtschreibfehler und die Grammatikfehler teilweise identisch sind. Und wenn man dann jemanden löscht, dann sind die innerhalb kürzester Zeit wieder da. Auch etwas, was man als Indiz werten kann, dass das Ganze gesteuert ist.“

„Prowestlicher Reporter, bist du auch von Obama und Konsorten gekauft?“

(…)

Anfang Mai klagten zudem das amerikanische „Forbes“-Magazin sowie der britische „Guardian“ über eine gesteuerte Kampagne; der „Guardian“ wurde mit bis zu 40.000 Kommentaren pro Tag überschüttet. Zieht Moskau dabei die Fäden? „Focus“-Korrespondent Boris Reitschuster ist überzeugt, dass der Kreml sogenannte Trolls beschäftigt – verdeckte Kommentatoren und destruktive Blogger.

„Es gab eine Anweisung vom russischen Außenministerium, die offenbar aus Versehen veröffentlicht wurde bei Twitter. Und da war ganz, klar zu lesen: ‚Anweisung an die Blogger: Diesen Artikel bei ‚Spiegel‘-Online mäßig loben auf Facebook und auf Twitter.'“

In diesem Fall sollte ein deutsches Medium ausnahmsweise mit positiven Kommentaren bedacht werden. Der Screenshot, also die Abbildung der Moskauer Anweisung, wurde im März veröffentlicht – von einem pro-ukrainischen Twitter-Account. Kann man dem Beleg Glauben schenken?

„Das ist authentisch, weil das Außenministerium das zugegeben hat danach, dass dieser Screenshot authentisch ist auf ihrer offiziellen Homepage.“

/ Deutschlandfunk

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s