Normal

„Selbstverständlich“ hätten die Gedichte keinen Reim, schreibt ein Rezensent (http://www.jungewelt.de/2014/02-04/048.php) und findet das nicht normal – „Wie formalistisch sollen Gedichte sein?“ fragt er kritisch.

Andere haben andere Normen – auch in Sachen Reim:

Zschäpe-Prozeß: Es ist ein sehr zäher Morgen, an dem die Zeugin immer und immer wieder befragt wird. Bis zu dem Moment, an dem der Anwalt Yavuz Narin der Frau zwei ganz einfache Fragen stellt. „Wie würden Sie die politische Gesinnung Ihres Ehemanns charakterisieren?“ – „Normal“, sagt die Zeugin. „Wie ist denn Ihre politische Gesinnung?“ – „Normal“, sagt die Zeugin erneut.

Normal bedeutet für die Zeugin aber offenbar etwas ganz anderes als für Narin. Der Anwalt hat sich den Facebook-Account der Zeugin und ihres Ehemannes angesehen und nun werden die Screenshots davon an die Wände im Gerichtssaal geworfen. Unter ihren Favoriten hat die Zeugin einen Link: „Keine weiteren Asylanten-Heime im Landkreis Meißen!“

Ihr Mann gibt sich noch radikaler. Ein Adler schaut einen auf seiner Seite an, darüber der Schriftzug in altdeutschen Lettern: „Deutsche geben niemals auf, wir kommen wieder!“ Auch dem Reimen ist der Gatte geneigt, er hat dort ein Gedicht stehen: „Der Ali hat Kohle, der Hassan hat Drogen, wir Deutschen zahlen und werden betrogen.“

Süddeutsche Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/politik/zeugin-im-nsu-prozess-alles-ganz-normal-in-zwickau-1.1879010)

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