Appell

Auf Initiative des Philosophie Magazins unterzeichneten dreißig hochrangige europäische Philosophen und Intellektuelle folgenden Appell zur Freilassung von Nadia Tolokonnikowa, der derzeit in einem sibirischen Straflager inhaftierten Sängerin der Gruppe Pussy Riot. (Ein ausführlichen Briefwechsel zwischen Tolokonnikowa und dem slowenischen Philosophen Slavoj Zizek findet sich in der aktuellen Ausgabe des Philosophie Magazins 01/2014).

Auszug:

Appell zur Freilassung von Nadia Tolokonnikowa

Weil sie ein „Punk Gebet“ gegen Wladimir Putin in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gesungen hatten, sind Nadia Tolokonnikowa und Marija Aljochina, Mitglieder der Band Pussy Riot, im August 2012 wegen „von religiösem Hass motivierten Vandalismus“ zu zwei Jahren Haft im Straflager verurteilt worden. Nachdem sie die unmenschlichen Haftbedingungen angeprangert und einen Hungerstreik begonnen hat, wurde Nadia Tolokonnikowa, die 25-jährige Mutter eines 5-jährigen Mädchens, in die 4000 km von der Hauptstadt entfernte Region Krasnojarsk in Sibirien verlegt. Nach Aussage des russischen Menschenrechtsbeauftragten Wladimir Lukin trage es „zur Resozialisation bei, seine Strafe in dieser Region zu verbüßen“.

Dies sind Formulierungen, die wir in Russland seit dem sowjetischen Zeitalter und seiner Verfolgung aller Andersdenkenden und Abweichler nicht mehr gehört haben. In Wirklichkeit ist die Pussy-Riot-Sängerin das Symbol aller durch das Regime Unterdrückten geworden: der Homosexuellen, die im Namen des nunmehr legalen Kampfes gegen die „homosexuelle Propaganda“ verfolgt werden; der auf den Baustellen in Sotchi oder anderswo ausgebeuteten und brutal behandelten Gastarbeiter; der Verurteilten wegen antireligiöser Äußerungen; der geknebelten Opposition; der verfolgten Nichtregierungsorganisationen und vieler anderer … Angesichts dieser immer zahlreicheren Menschenrechtsverletzungen ist Europa erstaunlich ruhig geblieben.

(…)

Namen der Unterzeichnenden:

Deutschland/Österreich/Schweiz:
Deutschland/Österreich/Schweiz: Ulrike Ackermann, Aleida Assmann, Jan Assmann, Gunter Gebauer, Michael Hampe, Axel Honneth, Rahel Jaeggi, Michael Krüger, Susan Neiman, Christoph Menke, Robert Pfaller, Hartmut Rosa, Gesine Schwan, Martin Seel, Barbara Vinken, Juli Zeh

Frankreich und Europa:
Elisabeth Badinter, Pascal Bruckner, Alain Finkielkraut, Marcel Gauchet, André Glucksmann, Agnès Heller,  Claude Lanzmann, Edgar Morin, Antonio Negri, Fernando Savater, Richard Sennett, Bernard Stiegler, Gianni Vattimo, Slavoj Žižek

Freiheitsindex

ist eine gute Überschrift für eine Liste der beliebtesten Verbote:

Freiheitsindex

Die Deutschen wünschen sich mehr Verbote

Drogen, Klonen, ungesundes Essen: Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich dafür aus, diese Dinge zu verbieten.

(Die Welt)

DWO-VerboteAufm

Prima! Freiheit macht müde, wir brauchen wieder mehr Verbote. Auf dieser Karte der Pressefreiheit gehört Deutschland zur weißen Zone, das soll sich ändern!

Währenddessen reklamieren die vielen anonymen Schmierfinken & WebseitenkommentatorInnen und paar hundert bis tausend mutigen Demonstranten in einigen sächsischen Städten (und anderwärts), deren Weltbild auf das Arsenal einer Handvoll populistischer Slogans von Transparentformat zusammengeschnurrt ist („Asylflut stoppen!“ – „Unsere Heimat Unser Recht“ – „Arbeit zuerst für Deutsche“) für sich, ausgerechnet sie wären die die noch „selber denken“ und „Mut zur Demokratie“ hätten. Die Einen wie die Andern nerven ganz schön.

An allem sind die Juden schuld

Vivian Kanner – An allem sind die Juden Schuld

„An allem sind die Juden Schuld“ ist ein satirisch-politisches Lied von Friedrich Holländer aus dem Jahr 1931. Die Musik dazu stammt von Georg Bizets ‚Habanera‘ aus der Oper Carmen.
neu interpretiert von Vivian Kanner und ihren wundervollen Musikern:
voc: Vivian Kanner
piano: Florian Fries
cello: Julia Hecht
Besonderer Dank an:
Kamera: Abbas Saberi, Sven Vollbrecht und Roger von Heereman
Regie: Sven Vollbrecht
Schnitt: Abbas Saberi
Farben & Effekte: Samson Schneiderman
Tonmischung: Philip Hansmann
Corbo, Lisa Zenner & Yvonne Fendel

Im traurigen Monat November wars…

gefunden bei Hagalil. Die Anmerkung der Autorin bzw. Kompilatorin setz ich mal vorweg:

Die kursiven Stellen stammen allesamt aus Leserkommentaren zu Berichten oder Statements zu der neuen Antisemitismusstudie. Ich habe sie lediglich sinnentblößend und grammatikalisch angepasst zusammengestellt.: Leserkommentare auf Spiegel, Süddeutsche, Tagesspiegel,  tagesschau, Facebook etc…

 

10. November 2013 – 7 Kislev 5774

Ein sinnentblößendes Sammelsurium von Leserkomentaren zur neuen Antisemitismusstudie…

Böswillig, unseriös und kein bißchen repräsentativ – zusammengestellt Ramona Ambs

Unerhört!

Jeder, der gegen Juden eine Meinung hat, wird sofort als Antisemit abgestempelt!

Jaaaa, die Welt ist gemein. Vor allem zu Nichtjuden. Denn die haben zu leiden. Grundsätzlich und immer: ihnen gehört weder Coca Cola noch Hollywood. Und sie werden alle ausgebeutet und unterdrückt. Aber grade jetzt ist es wieder besonders schlimm, wo doch grade der 9.November war und alle wieder betont haben, wie lieb sie doch die Juden haben. Wohlgemerkt die Juden, nicht Israel. Und von den Juden auch nur die, die brav gestorben sind während des Holocausts. So wie sich das damals gehörte. Nicht die, die überlebt haben und die nun gemeinsam mit ihrer Mischpoche hierimmer wieder Stunk machen. Zum Beispiel mit dieser neuen Studie.  Wo man doch überhaupt nichts merkt vom Antisemitismus heutzutage. Was fragt man die Juden aber auch, ob sie sich wohlfühlen. Man weiß doch wie das endet… Und die schlagen doch aus allem Kapital. Und überhaupt ist man das doch langsam leid, immer wieder an die Vergangenheit erinnert zu werden. Zumal es heutzutage doch die Israelis sind, die den Völkermord begehen. Und den Deutschen wird bis heute die alte Laier aufgespielt. Die zahlen und buckeln noch immer. Aber die Extrawurst ist aufgegessen. Künftig lassen sich Deutsche mit gesundem Glauben nicht weiter in die rechte Ecke stellen, wenn sie sagen was wahr ist: nämlich das Israel Kinder ermordet. Man sollte nicht auf diesen zionistisch-populistischen Zug mitaufspringen und weiter buckeln. Niemand hat hier je was Judenfeindliches gehört. Aber über die Juden darf man ja eh nix sagen, sonst wird man mit der Geschichtskeule mundtot gemacht. Es ist schon bedenklich- jeder, der gegen Juden eine Meinung hat, wird sofort als antisemitisch abgestempelt. Die Jüdischgläubigen müssten einfach nur ihre Religion ablegen und aufhören in Israel die Moslems zu killlen, dann wär Frieden. Und überhaupt: Rassismus ist immer schlimm, warum soll der Antisemitismus bevorzugt bekämpft werden? Zumal die Juden ja nix aus ihrer Vergangenheit gelernt haben? Die machen heute viel schlimmere Sachen mit den Palästinensern und die haben nicht so viel Geld wie die Juden damals. Und überhaupt, warum sollen wir nett sein zu Juden, so wie die sich hier und anderswo aufführen? So arrogant. Wir Deutsche werden heutzutage ja wohl ebenso verfolgt von denen. Und außerdem: Solange sich Deutschland leistet jeden Ungebildeten / Kriminellen einzubürgern, nur weil dieser hier gebohren wurde, ungeachtet dessen Verhalten, dessen Bildungsfleiß und dessen Gesetzestreue, solange züchten wir doch das Gemüse heran, von denen die Haßprediger leben. Wir Deutschen gehen nämlich sehr gut um mit den Juden. Nur die Zionisten hassen wir. Und das zu Recht. Die Juden benutzen den Antisemitismus doch als Waffe gegen jeden Kritiker. Dann müssen sie sich nicht wundern, wenn das Pendel irgendwann wieder umschlägt. Niemand lässt sich ewig demütigen! Es gibt keinen Antisemitismus in Deutschland. Nur die Moslems hassen die Juden. Solche Studien befördern doch erst den Hass. Wenn jüdische Mitbürger allen Ernstes Antisemitismus als drängestes gesellschaftliches Problem in Deutschland wahrnehmen, dann stimmt mit deren Realitätsempfinden irgendetwas nicht mehr! Wahrscheinlich hat die massive Ablehnung der Beschneidung zu solcher Wahrnehmung seinen Teil beigetragen! Geht ja auch gar nicht, dass DEUTSCHE von einem jüdischen Mitbürger verlangen sich an das Grundgesetz zu halten!

Unverschämtheit! Wie kann der deutsche Staat bloß zulassen, dass seine Bürger die sexuelle Vestümmelung aus religiösen Gründen ablehnen. Man sollte das Thema ruhen lassen. Reicht doch, daß wir jetzt am 9. November Reue zeigen. Irgendwann muss auch mal gut sein. Wenns ihnen nicht passt, können sie ja gehen in ….

Reaktionen auf die Antisemitismusstudie

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Bild: Leserkommentar auf Facebook unter einem Statement von Gregor Gysi

r.a.

Accessoire

Das Buch „Kunst hassen“ ist für den Bildungsbürger, der es immer schon wusste, das Accessoire der Stunde.

10.10.2013 | 18:29 |  Von Almuth Spiegler  (Die Presse)

„Wenn der Shop das Interessanteste an einem Ausstellungshaus ist, muss das nicht an der nicht vorhandenen Intelligenz des Publikums liegen.“ Über solche Sätze ist leicht Schenkel klopfen. Oder selbstzufrieden lächeln, das steht jenen saturierten Bildungsbürgern besser, die in Nicole Zepters erfolgreichem Büchlein „Kunst hassen“ ihren neuen Taschen-Faust gefunden haben.

Anti-Anti

Antiamerikanismus finde ich genauso töricht wie Antiamerikanismus-Bashing. (Für Sprachpuristen:  Gegen-Amerikaner-Verhöhnung). Die Tageszeitung „Die Welt“ macht das gerne. Henryk M. Broder auch. Hier wieder:

NSA-Affäre

Snowden weckt den neuen deutschen Patriotismus

Die Abhöraffäre ist eine schöne Gelegenheit, es den Amis heimzuzahlen. Rache für Nürnberg, Luftbrücke, Marshallplan und all die Demütigungen, mit denen sie ihre Überlegenheit demonstriert haben.

Man freut sich doch, wenn man schön übersichtliche Verhältnisse hat (man selbst auf der guten Seite). Ich schreibe diese kleine Glosse in der Hoffnung, dem einen oder anderen meiner Freunde den Snowdenhohn madig zu machen. Mehr will ich ja gar nicht. (Höchstens noch, daß sich jetzt nicht alle die Hände reiben, gegen die ich sonst Broder verteidigen muß. Jemanden vergessen?)

Romantische Kristallnacht

Das kann sich kein Satiriker ausdenken. Ein Thüringer Sauna-Wellnesspark mit Namen Kristall veranstaltet eine „lange, romantische Kristallnacht“. Passenderweise am 9.11. Neinnein, natürlich keine klammheimliche böse Absicht. Man kann nicht immer an alles denken. Muß man als Deutscher überhaupt denken? Die Frage hat sich der Satiriker nicht ausgedacht. Hier die nette romantische Einladung:

Und hier die muntere Fandiskussion. Darf man als Deutscher nicht mal mehr eine Kristallnacht veranstalten?

Wünsch eine gute Nacht!

(Gefunden hier)