So groß

ist meine kleine Müllhalde  auch nicht. Wer will räume selber:

Drei Viertel aller Opfer sind Männer. … Obdachlosigkeit ist ein Männerproblem, weil Frauen leichter einen Unterschlupf finden, wenn sie pleite und ungewaschen sind.

/ Ralf Bönt verwirrt sich in der FAZ*

*) Die geneigten Leser werden gebeten, eventuelle Sexismusdebatten da zu führen wo sie hinpassen und -gehören, bei FAZ BILD Spiegel & Co.

Hosen

Ingrid Babendererde hielt einst eine Rede über die Hosen von Eva Mau. Die DDR ist passé, aber nicht das Thema:

Sollten Mädchen mit Hotpants in die Schule gehen?* Die Frage wird aktuell diskutiert, nachdem ein Gymnasium die superkurzen Shorts verboten hat. Der Knigge-Experte meint: Hotpants gehören nicht in die Schule. Die Gewerkschafterin sieht es als Mode. Der Philologenverband fordert gegenseitige Rücksicht.

Eltern sollen Kindern Hotpants in der Schule verbieten | WAZ.de – Lesen Sie mehr hier

Auch gut:

 An anderen Schulen sehen es die Lehrer nicht so eng.

*) Deutsch ist eine sehr ambivalente Sprache.

Extremismus-Bekämpfung

wird in M-V noch ernstgenommen, lese ich:

POL-HRO: Aufkleber auf Wegweiser des Wahlkreisbüros der CDU angebracht

Nr. 2517214 – 18.07.2013 – PP HRO – Polizeipräsidium Rostock

Wismar (ots) – Unbekannte Täter klebten auf einem Wegweiser
(Hinweisschild) des Wahlkreisbüros einer Bundestagsabgeordneten der
CDU in der Wismarer Schüttingstraße einen Aufkleber. Hierauf sind ein
durch eine Faust zerstörtes Hakenkreuz zu erkennen und der Schriftzug
„Gegen Nazis – Antifa Area“ zu lesen.

Nachdem eine Mitarbeiterin des Wahlkreisbüros den Aufkleber
festgestellt hat, informierte Sie das Wismarer Polizeihauptrevier.

Die sofort eingesetzten Polizeibeamten konnten die Täter leider
nicht mehr im nähreren Bereich feststellen. Sie entfernten den
Aufkleber und stellten ihn zur weiteren Spurensuche sicher.

Torsten Sprotte
Erster Polizeihauptkommissar
Polizeiführer vom Dienst

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Rostock
Polizeiführer vom Dienst
Telefon: 038208/888-2110
E-Mail: elst-pp.rostock@polmv.de
http://www.polizei.mvnet.de

Anfrage an das Polizeipräsidium: Wieviel Polizisten kommen auf einen Aufkleber?

Der rechte Kellerherr

Es riecht ein wenig nach Herrenreiter, wenn die Süddeutsche Zeitung über das noble, edle – tatsächlich fallen beide Adjektive gleich eingangs – Dresdner Viertel Weißer Hirsch schreibt. Aber nein, so fängts an, heilige Metonymie:

Im noblen Dresdner Tellkamp-Viertel

o lala, hat er auch artig geknickst?.

 eröffnet der stramm rechte Felix Menzel ein Bildungszentrum. Es kommen Mandy, Kevin und, hoppla, die Nachbarn

2 Sätze weiter noch mal so rum:

Um 20 Uhr soll im edlen Viertel Weißer Hirsch in Dresden das rechte ‚Zentrum für Jugend, Identität und Kultur‘ eröffnen.

Aber man lese weiter. Ein rechtes Bildungszentrum im Keller von Tellkamps Turm. Vom eher proletarischen Chemnitz zog der rechte Kellerherr ins bürgerliche Dresden am Hang. Mal sehn wer kommt:

Felix Menzel, 27, verheiratet, zwei Kinder, Gründer und Chefredakteur der rechten Zeitschrift Blaue Narzisse. Die Narzisse begann als Schülerzeitung in Chemnitz, heute gehört sie gedruckt wie Online zu den Zentralorganen der mindestens Rechtskonservativen. Menzel betreibt über die Webseite einen ordentlich gehenden Online-Shop, einer der Top-Seller ist ein Aufkleber der ‚Identitären Bewegung‘ (siehe Kasten) – 30000 Stück hat er bislang abgesetzt, tagelang stand er deswegen im Lager und machte nichts anderes, als Aufkleber zu verpacken. Über diese Einnahmen und Spenden finanziert er nun, vorläufig befristet auf ein Jahr, das Zentrum auf dem Weißen Hirsch.

Menzel stellt sich das Zentrum als ‚eine Art Volkshochschule‘ vor, im Oktober soll das Seminarprogramm beginnen. Geplant sind Blockseminare zu ‚politischem Aktivismus‘ und ‚Journalismus und Publizistik‘. Letztere wird hier auch ganz praktisch betrieben, neben Menzel haben zwei weitere Mitarbeiter Büros, auch um die Webseite der Narzisse zu füttern.

Warum der Umzug von Chemnitz nach Dresden? ‚Es ist ja nicht so, dass wir vom Mars nach hierher gekommen sind‘, sagt Menzel, und dann kommt die Rede wieder auf Uwe Tellkamp. Menzel sieht da eine Verbindung, zwischen seinen Gesinnungsgenossen und der unfreien, intellektuellen Geisteselite der DDR. Auch diese sei ’nonkonform‘ gewesen und habe ‚vielleicht nicht die Öffentlichkeit bekommen‘, die sie verdient gehabt hätte. Das ist natürlich ein schönes Trittbrett, das sich Menzel da ausgesucht hat, aber ganz praktisch ist es erstmal so, dass er nicht im Turm, sondern in einem Keller sitzt. Nackte weiße Wände, Neonröhren, Deckenhöhe: 2,04 Meter.

Menzel ist belesen, Rilke, Kafka, Philosophen aller Herren Länder. Er sagt: ‚Wir sind demokratisch‘. Er sagt: ‚Ich bin für Europa.‘ Er sagt, er sei punktuell auch für Einwanderung. Es scheppert erst auf Nachfrage: Punktuell bedeute, verkürzt: Der ‚persische Arzt‘ darf rein, der ‚arbeitslose Araber nicht‘. Es schwindelt einen, wenn man Menzel eine Weile zuhört, weil er die Namen großer Denker und Literaten nimmt, um sie zu wehrlosen Kronzeugen seiner Schlüsse zu modellieren.

Ein stramm Rechter nistet sich ein, mitten im Dresdner Bürgertum. Einer, dessen Aufsätze aus dem Gemeinschaftskunde-Unterricht der zwölften Klasse bereits vom Verfassungsschutz mitgelesen wurden und der gerne zum Thema ‚Skandalokratie‘ promovieren würde. Muss man sich deshalb Sorgen machen? Vermutlich nicht allzu sehr, weil es hinter dem hellen Kellergeist Menzel mehr Schatten als Licht gibt. Mandy und Kevin jedenfalls beteiligen sich am Montagabend nicht am intellektuellen Diskurs über den Begriff Heimat.

Süddeutsche Zeitung 3.7.