Vergessen

Falkner wird demnächst vergessen sein. Schade, aber kurz noch wird man seiner gedenken, an entlegener Stelle, irgendwo. Lyriker des 21. Jahrhunderts. Altes Kind unserer Zeit. Das ist nicht wenig. Immerhin lugt dann noch einmal kurz der schöne Turm hervor, auf ewig Süddeutsch-​Halbtot.

Gerhard Falkner: Hölderlin Reparatur. 96 Seiten, Berlin Verlag 2008. 19 Euro.

Das Schöne oder je nachdem Teuflische am Vergessen ist, daß man es nicht berechnen kann. Nicht einmal im eigenen Oberstübchen. Vielleicht wird xy einmal vergessen sein. Vielleicht Falkner, vielleicht sogar Herr Röcke, der obigen Befund* über Falkner verantwortet**. Natürlich müßte er erst einmal bekannt werden, um überhaupt vergessen werden zu können.

*) Bei der „Blauen Narzisse“, die immer mal auf Lyrik macht und ansonsten den NSU-Prozeß im Liveticker jetzt schon beobachtet, Nordkorea verteidigt, in der „Alternative für D-land“ einen „Hoffnungsschimmer“ sieht und sogar den Karl-Marx-Platz featured. Wenigstens sort of.

**) Lustig, wie er am Schluß des Zitats haarscharf an Celan vorbeischrammt. Der hier das letzte Wort bekommt:

Tübingen, Jänner

Zur Blindheit über-
redete Augen.
Ihre -„ein
Rätsel ist Rein-
entsprungenes“-, ihre
Erinnerung an
schwimmende Hölderlintürme, möwen-
umschwirrt.

Besuche ertrunkener Schreiner bei
diesen
tauchenden Worten:

Käme,
käme ein Mensch,
käme eine Mensch zur Welt, heute, mit
dem Lichtbart der
Patriarchen: er dürfte,
spräch er von dieser
Zeit, er
dürfte
nur lallen und lallen,
immer-, immer-
zuzu.

(„Pallaksch. Pallaksch.“)

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