Neuer Dichter

Ich denke immer, wenn ich einen Druckfehler sehe, es sei ein neuer Dichter entdeckt:

fünfter sein Puppentheater für Kinder ab 4 Jahre nach dem gleichnamigen Gedicht von Ernst Janda Fünf Spielzeugpuppen – alle verletzt – sitzen in der Puppenwerkstatt und warten, warten, warten… Aber, warum hat die rollende Ente ein Rad ab? Und wie hat Pinocchio seine Nase wirklich verloren – wurde sie abgebissen? In welchem Zusammenhang stehen Honig und der kaputte Arm und das kaputte Auge des Bären? Wo ist die Krone des Froschkönigs geblieben? mehr

Vergessen

Falkner wird demnächst vergessen sein. Schade, aber kurz noch wird man seiner gedenken, an entlegener Stelle, irgendwo. Lyriker des 21. Jahrhunderts. Altes Kind unserer Zeit. Das ist nicht wenig. Immerhin lugt dann noch einmal kurz der schöne Turm hervor, auf ewig Süddeutsch-​Halbtot.

Gerhard Falkner: Hölderlin Reparatur. 96 Seiten, Berlin Verlag 2008. 19 Euro.

Das Schöne oder je nachdem Teuflische am Vergessen ist, daß man es nicht berechnen kann. Nicht einmal im eigenen Oberstübchen. Vielleicht wird xy einmal vergessen sein. Vielleicht Falkner, vielleicht sogar Herr Röcke, der obigen Befund* über Falkner verantwortet**. Natürlich müßte er erst einmal bekannt werden, um überhaupt vergessen werden zu können.

*) Bei der „Blauen Narzisse“, die immer mal auf Lyrik macht und ansonsten den NSU-Prozeß im Liveticker jetzt schon beobachtet, Nordkorea verteidigt, in der „Alternative für D-land“ einen „Hoffnungsschimmer“ sieht und sogar den Karl-Marx-Platz featured. Wenigstens sort of.

**) Lustig, wie er am Schluß des Zitats haarscharf an Celan vorbeischrammt. Der hier das letzte Wort bekommt:

Tübingen, Jänner

Zur Blindheit über-
redete Augen.
Ihre -„ein
Rätsel ist Rein-
entsprungenes“-, ihre
Erinnerung an
schwimmende Hölderlintürme, möwen-
umschwirrt.

Besuche ertrunkener Schreiner bei
diesen
tauchenden Worten:

Käme,
käme ein Mensch,
käme eine Mensch zur Welt, heute, mit
dem Lichtbart der
Patriarchen: er dürfte,
spräch er von dieser
Zeit, er
dürfte
nur lallen und lallen,
immer-, immer-
zuzu.

(„Pallaksch. Pallaksch.“)

Revolution der Selbstausbeuter?

Heute ist jeder sein eigener Kurator – aber auch Lebenskünstler, vielmehr: Überlebenskünstler? 
Natürlich. So wie jedermann bloggt. Jedermann ist Journalist geworden, jedermann ist auch Webdesigner. Das home office ist das perfekte Bild der Gegenwart. Man kreiert seine eigene Pornografie, seine eigene Kunst, sein eigenes Web, man designt sein eigenes Haus, aber niemand verdient etwas. Es geht um Überlebensstrategien, die geknüpft sind an Virtuositätskonzepte. Lauter verarmte Intellektuelle.

Kommt das alles nicht einem Staat entgegen, der damit beschäftigt ist, den Euro zu retten und sich über Generationen zu verschulden, und auf der anderen Seite Sozialleistungen kürzt?
Absolut. Die Selbstausbeutung findet nicht statt innerhalb eines Produktionsprozesses, sondern über Kooperation. Das größte Problem ist die Disponibilität der Leute. Man ist disponibel, man stellt sich zur Verfügung. Wer das kontrollieren kann durch ein parteipolitisches Programm oder durch ein ökonomisches Modell, hat die Macht. Ich warne vor einer Revolution oder einem Kinderkreuzzug à la „Mad Max“. Was passiert, wenn sich diese Tausenden von Selbstausbeutern und Enthusiasten, die an ihrer Disponibilität leiden, an den 24 Stunden pro Tag im home office, in ein ökonomisches Modell eingepasst werden? Man muss auch mal lernen, Nein zu sagen, die Disponibilität infrage zu stellen. Nein zu kostenlosen Katalogtexten, obwohl hundert andere es machen. Oder Schlaf als eine Art Subversion   –  Ruth Noacks geplante Ausstellung „Sleeping with a vengeance, dreaming of a life“ behandelt genau dieses Thema. Irgendwo muss man anfangen, wenn man kein Zombie werden will. Warum fallen eigentlich alle vom Stuhl, wenn man das sagt?

Chris Dercon, Monopol

Zensiert

Putin hats gefallen, sagt er. Sein (!) Land verlangt gleichwohl von Deutschland, die Täterinnen zu bestrafen. Hier ein Bild mit noch einem Mund mehr:

muender2

In der amerikanischen Presse werden die Bilder natürlich zensiert. Das Wort „Dictator“ zwar ist erlaubt:

Protest

Hätten sies in Rußland andersrum gemacht? Vielleicht ja.

Rätselhaft aber das nächste Bild. „Grabbed: A security guard is seen grabbing the topless demonstrator as Mr Putin looks on“, sagt die Unterschrift. Vielleicht hält er ja nur den Balken für Putin. Aber was ist auf dem Rücken?

Grabbed: A security guard is seen grabbing the topless demonstrator as Mr Putin looks on

Offenbar ist die Inschrift dem amerikanischen Publikum nicht zumutbar. Wieviele amerikanische Kinder können wohl Russisch lesen?

Auf dem Rücken der jungen Frau steht:

Иди на хуй, Путин!

Sovielwie: Fuck you, Putin!

Protestieren ja, aber bitte anständig!

Hier mehr.

Die Dummheit

höret nimmer auf. Einer aus der Gilde, mit Schweizer Adresse, schreibt mir ungebeten:

Seit über 2000 Jahren haben die „Juden“ die ganze Welt im Griff:
Juden (Mörder wie Moses, Kain, David, etc.) => Christen => Muslime => Protestanten => Kapitalisten => Kommunisten-Marxisten => Nazis => Hollywood => Anthroposophen => Atombomben (Teller, Oppenheimer, Kim Jong Un).
Wann hört endlich dieser wahnsinnige beschnitten-traumatisierte Blödsinn überall auf???
Die einzige gute „Religion“ ist der Schamanismus: der ist zwar auch genetisch bedingt, aber er kann NICHT sozial GELERNT werden.

Wann dieser Blödsinn aufhört? Nimmer.