Judennase (1)

Jetzt wird er wieder sagen, ich beobachte „ihn“ systematisch. Weit gefehlt. Weder literarisch noch wissenschaftlich noch publizistisch ist der Dichter Lammla mir besonders wichtig. (Okay, in aufsteigender Stufung). – Ich suchte ein Zitat aus der NS-Zeit oder eigentlich nur Beispiele für einen Wortgebrauch. Archive.org ist wirklich eine Fundgrube… nicht nur für Wortsucher und Buchliebhaber, sondern auch zB für bekennende Rechtsradikale und ihre Sympathisanten, die evtl. nicht so genannt werden wollen. Wie google die Altbestände nordamerikanischer Bibliotheken, scannen sie Reden ihres Führers, Ausgaben des „Stürmer“ oder Gedichte des HJ-Führers Baldur von Schirach liebevoll ein. Oft gibt es die Dateien nicht als visuelle pdf, sondern nur im abgeschriebenen bzw. mit den üblichen Fehlern gescannten und dann als pdf ausgedruckten Text. Ich nehme an, daß manche Kameraden die Frakturschrift nicht lesen können. Nun können sie Will Vespers brünstige Verse an den Führer leicht lesen:

Hammer muß sein,
daß Eisen Stahl wird;
Hammer muß sein,
daß Masse Volk wird.

Pflug muß sein,
daß Erde Brot wird;
Pflug muß sein,
daß Leben aus Tod wird.

Schwert muß sein,
daß Ehre gewahrt wird;
Schwert muß sein,
daß Blut zu Saat wird.

Nur einer darf vollenden
solch Werk mit frommer Hand:
Gott selber muß ihn senden.

Gott hat ihn uns gesandt!

Außer diesem Altmaterial gibt es reichlich „Neues“ – Verschwörungstheorien und halt so -beweise à la „die große Sauna von Auschwitz“, die „jüdisch infiltrierte Wikipedia“ etc. pp. Ein Autor namens „Die Volksaufklärer“ – natürlich über „Die talmudische Weltverschwoerung [nicht was Sie denken] der Juden“ – traut seinem Material nicht ausreichend und gibt detaillierte Leseanleitungen, eine Probe, man beachte die originellen Wortspiele:

Grundwissen ueber die politische Klasse: Hoeren und staunen Sie, was ueber den Kinofilm – die mondverschwoerung – zur Beschmutzung von deutschen Wahrheitssuchern von dem BRDisrael-Regisseur Thomas Frickel und dem USrael-Heimatschutz-Agenten Dennis Mascarenas (…) zu hoeren ist.

Hören was zu hören ist… sie haben ein Faible für Kreisel. – Das geht ellenlang weiter, es folgen viele Links, Schulungshefte mit Seriennummern – archive.org ist inzwischen ein Hauptkanal zur Verbreitung ihres Schulungsmaterials. (Früher mußten sie noch in die Buchhandlung gehen, wo sie aus irgendeinem Grund auffielen, wenn sie eine Ausgabe der „Edda“ – „Die Geschichten, nicht die Lieder“, soviel wußten sie schon – bestellten.) Dann noch ein Link auf den Artikel „Juden“ bei Metapedia. Meta, Meta, wo habe ich das vor kurzem gehört, das seh ich mir an.

Und Lammla? – Geduld.

Die Seite ziert ein brekerähnlicher Jünglingskopf.

Als Juden (hebr. יהודים, transliteriert Jehudim) bezeichnet man die Angehörigen der jüdischen Volks- bzw. Religionsgemeinschaft (→ Judentum).

Volksgemeinschaft, ja. (Haben Juden das auch?)

Sie sind fast über alle Länder der Welt verstreut, ca. 13 bis 15 Millionen Menschen; etwa die Hälfte davon lebt heute im jüdisch besetzten Palästina, auf dem Gebiete des Besatzungsstaates Israel.

Nein, keine Hamas-, eine waschecht „völkische“ Seite.
Der Artikel bemüht sich um Sachlichkeit – auf recht niedrigem Niveau.

Im Hinblick auf eine religiöse Betrachtung gehen die Ursprünge der Juden, auch Hebräer genannt, gemäß Tanach und Altem Testament der Bibel zurück auf den Stammvater der Zwölf Stämme Israels Abraham; letztere sind Gegenstand des von einem unbenannten Autor geschriebenen 2. Buches Mose der Bibel.

Ja, richtig, in einem seriösen Lexikon muß man die Quellen exakt angeben. Zu dumm, daß das 2. Buch Mose keinen Verfassernamen trägt.

Aber man kommt auch regelmäßig nach ein paar „weichen“ Sätzen zur Sache.

Sehr viel Raum nehmen Körpermerkmale ein:

Die verhältnismäßig geringe Körperhöhe ist bedingt durch die geringe Beinlänge der Juden. Der russisch-französische Anthropologe Joseph Deniker machte auf die im jüdischen Volk verbreitete Schmalbrüstigkeit aufmerksam, einer „Kleinheit des Brustumfangs“[34], ebenso sprach der Gynäkologe Carl Heinrich Stratz von einem flachen Brustkasten vieler Juden.[35] Ein schwach entwickelter Brustkorb, der ein durch Umwelt und Tätigkeit bis zu einem gewissen Grade beeinflußbares Merkmal darstellt, und verhältnismäßig kurze Arme ergeben jedes für sich und noch mehr beide zusammen die verhältnismäßig geringe Spannweite (Klasterweite), die man innerhalb verschiedener Judengruppen festgestellt hat. Joseph Stratz spricht zudem von einem Vorkommen krummer Beine, von „schwachen Waden“ vieler Juden spricht H. Schaaffhausen. Bei Jüdinnen tritt oft ein besonders breites Becken auf, dessen ziemlich plötzlich einsetzendes Breitenwachstum zwischen etwa dem 15. und 18. Lebensjahr besonders auffällt.

Okay, da haben sie und ihre Gewährsleute genau hingesehen.

Nicht nur dieser eine Satz hat etwas Merkwürdiges:

Die „Judennase“ ist weltweit das bekannteste rassische Merkmal der Juden, obwohl diese bei den Juden seltener auftritt, als gemeinhin bekannt.

Was bedeutet das? Die Nase ist 1. das bekannteste Merkmal, obwohl sie 2. bei den Juden seltener auftritt 3. als bekannt.

– Wenn nicht bei den Juden, bei wem dann? Die Frage muß doch erlaubt sein.

(Nächstens mehr)

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