Dunkelziffer

Der Oscar-nominierte Dokumentarfilm „The Invisible War“ erzählt von ungesühnten Vergewaltigungen im amerikanischen Militär.

Auf 10.000 Männer und 9000 Frauen wird die Dunkelziffer der jährlichen Vergewaltigungen in den US-Streitkräften geschätzt. Exakt 3223 Fälle wurden 2012 angezeigt, 529 Täter wurden von Militärgerichten verurteilt, 175 verbüßen eine Haftstrafe. (…)

Anders als kriminelle Priester, die nicht vor Strafe durch zivile Gerichte geschützt sind, unterliegen amerikanische Soldaten der Militärgerichtsbarkeit. Kommandeure hatten bis vor Kurzem das Recht, die Strafverfolgung eines angezeigten Falls zu verhindern oder zu betreiben. Kirby Dick berichtet nicht ohne Stolz, dass Verteidigungsminister Leon Panetta zwei Tage nach einer Vorführung von „Invisible War“ im Pentagon dieses herrschaftliche Kommandeursrecht, in Personalunion als Ankläger, Richter und De-facto-Begnadiger aufzutreten, kassierte. Es existiert nicht mehr. (…)

Das immer Gleiche ihres Leids ist schwer zu ertragen. Dazu treffen uns Stiche, wie durch das Unwort „Selbstbedienung“. Es fällt mehrfach für Vergewaltigung, es steht für die Verächtlichmachung ihres Leids durch Kameraden.

„Stell dich nicht an“, sagt man am ersten Tag einer der Frauen, die es zu den „Besten der Besten“ der Marines in Washington schafft. Sie tun im Weißen Haus Dienst und auf dem Soldatenfriedhof Arlington. Amerikas Elite in Uniform. Sie erinnert sich an ihre Diensteinweisung durch einen Offizier: „Willkommen, Kameradin, Frauen dienen hier, um gevögelt zu werden.“

Bislang lief der Film hauptsächlich auf amerikanischen Festivals, für Deutschland gibt es keinen Verleih. / Uwe Schmitt, Die Welt

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Ein Gedanke zu „Dunkelziffer

  1. Nachtrag aus Deutschland:

    Nach einer Studie liegt die Gefahr für einen Häftling, binnen eines Monats im Jugendstrafvollzug vergewaltigt zu werden, bei sieben Prozent. Der Leiter der Studie, der Kriminologe Christian Pfeiffer, nennt das eine “Horrorquote”. Ebenso schauerlich sind andere Ergebnisse. So sehen sich Häftlinge weniger vom Personal geschützt, dafür eher von Mitgefangenen.

    „Als im August 2012 eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen veröffentlicht wurde, die für Insassen des Jugendstrafvollzugs die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Monats vergewaltigt zu werden, mit sieben Prozent angibt, meinte Busemann, er könne dieses Ergebnis „gut akzeptieren“ und sagte: „Ein Knast ist eben keine Mädchenpension.““ (Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Busemann)

    Nachtrag 2013: Vor 4 Tagen ist Herr Busemann aufgestiegen, weiß Wikipedia: „Bernd Busemann, auch Bernhard Busemann[1], (* 5. Juni 1952 in Dörpen) ist ein deutscher Politiker (CDU). Er war Justizminister des Landes Niedersachsen und zuvor niedersächsischer Kultusminister. Er wurde am 19. Februar 2013 in das Amt des Präsidenten des 17. Niedersächsischen Landtags gewählt.“

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