2 virgins

Der erste und im Zweifelsfall richtige Reflex: die Künstlerin verteidigen gegen das zwar nachlassende aber immer noch majoritäre Hate Speech-Bashing, das regelmäßig einsetzt, wenn Yoko Ono irgendwo auftaucht, geschweige denn den Mund aufmacht. Manchmal setzt auch bloß ein wissendes Grinsen ein. Es ist das leicht verkniffene Grinsen von Männern, die wissen, daß man sowas nicht sagen darf aber eigentlich finden, man müsse das doch sagen dürfen: daß Yoko Ono nicht singen kann; daß Yoko Ono eine Nervensäge ist; daß Yoko Ono die Beatles auf dem Gewissen hat; daß Yoko Onos Kunst nicht von Können kommt; daß Yoko Ono häßlich ist; daß Yoko Ono ohne John Lennon rein gar nichts wäre; daß Yoko Ono Hängetitten hat, schon damals, auf dem »Two Virgins«-Cover. Doch, es gibt sie noch, die mühsam zum Schweigen gebrachte Mehrheit, die sich in den P.C.-Debatten der letzten Wochen hier und da aus der Deckung traut. Man wird doch wohl noch mal…Hängetitten sagen dürfen.

Der eigentliche Skandal am Cover von »Two Virgins« besteht 1968 nicht in der unschuldigen Nacktheit von John & Yoko, es sind die Brüste von Yoko Ono, über die sich Männer (und nicht wenige Frauen) aufregen: wie kann sich eine Frau mit so großen Brüsten, die derart hängen, nackt fotografieren lassen? Fragen auch Linke. Zur selben Zeit versuchen 68er-Blätter wie Konkret und Pardon mit – makellosen – nackten Frauen auf dem Cover Kunden zu locken – im Namen der sexuellen Revolution. In diesem Kontext sind die Brüste der Yoko Ono ein Politikum, ein Affront gegen Schönheits-Diktate und – das erfahren wir in der Retrospektive – Teil einer wohlüberlegten Körperpolitik. / Klaus Walter, junge Welt

2virginsa

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