Mond

Gesehen vom Greifwalder Marktplatz (3) und vom Rubenowplatz (1-2)

Der Unterschied

Heino Bosselmann, auch bekannt als Martin Mollnitz, schreibt Gedichte, die mich wenig interessieren, gleich ob die frühen aus seiner Schul- und FDJler-Zeit, von denen einige in Anthologien und der Zeitschrift „Temperamente“ in meinem Archiv ruhen (vielleicht brauche ich sie noch mal, um über die von mir so genannte FDJ-Ästhetik der 80er Jahre zu schreiben) oder die neueren, die er unter dem M-Namen verbreitet. Den Namen Mollnitz benutzt er auch für lautstarke und wenig kenntnisreiche Polemiken gegen die aktuelle Lyrik u.a. bei Freitag und Neues Deutschland. Allzu offensichtlich, daß sie Begleitfeuer zu einem geplanten Neustart als Lyriker waren.

Den B-Namen benutzt er für politische Kommentare in Szenemedien wie der Wochenzeitung Junge Freiheit, Blaue Narzisse oder Sezession. (Die „links“ gern als Kampfwort benutzen, aber sich meist darüber beklagen, rechts genannt zu werden. Wie B-Mann auch. Komisch, keiner will heute rechts sein.)

Wenn man über rechte oder „national gesinnte“ Schreiber berichtet, kommen immer Freunde und warnen: Durch Berichterstattung oder selbst kritische Kommentare machst du die nur bekannt. Das ist ein alter Streitpunkt, und hier gilt schwierige Abwägung.

Komischerweise geht es Bosselmann genauso. In seiner neusten JF-Kolumne denunziert er meinen Freund Kai Pohl auf ähnliche Weise wie er voriges Jahr mich bei Sezession & Co. denunzierte. Mit gezielten philologischen Ungenauigkeiten (etwa Unterschied zwischen Zitat und Selbsttext verwischen) kann man das Publikum beeindrucken, das weiß jeder Demagog. Das dient allein seiner Selbststilisierung und wäre weder Nachricht noch Kommentar wert. Erst beim Lesen der Leserkommentare änderte ich meine Meinung.

Ein gewisser „Hans Holt aus Bosselmann“ schreibt da:

Herr Bosselmann, Sie geben den linken Schmierfinken zu viel Raum. Da Sie diese nicht totschlagen dürfen, tot-ignorieren Sie diese. Ich weiß, es nicht einfach (…).

Genauso mit einem Unterschied. Keiner meiner Freunde, mit denen ich manchmal politische oder ästhetische Differenzen habe (absurd wäre, von einem „linken“ „Lager“ zu sprechen!), käme auf die Idee zu schreiben: „Da du diese nicht totschlagen darfst, tot-ignoriere sie.“ Das gibt es in Bosselmanns Lager, nicht in meinem. Auf den Unterschied lege ich wert.

Geadelt & gehampelt

Vor einigen Wochen schickte ein mir bis dahin unbekannter Lyrikkenner namens Mario Giangiulio innerhalb weniger Stunden vier Kommentare über den Thüringer Barden Uwe Lammla, in dem er einen von zwei legitimen Nachfolgern Stefan Georges sieht. Ich veröffentliche sie unverändert in vollem Wortlaut (nur in einem Fall habe ich den Namen eines beschimpften Autors durch X ersetzt). Interessierte Leser können die Kontexte hier erreichen: 

Hier also die Stimme eines seiner Anhänger:

1.

Das ein Dichter wie Uwe Lammla auf einer Lyrikseite wie der Ihren, nicht mehr als einen suspekten Eindruck hinterlässt, adelt Ihn. Es ist Lyrik für wenige, für eine kleine Schar von Lesern die mit der Kultur und vor allem der Literatur der sogenannten Postmoderne, welche sich durch thematische Beliebigkeit und geistig-kulturelle Indolenz auszeichnet, nichts anzufangen wissen. Da der Name Schilling auch erwähnt wurde, mochte ich jedoch gleich hinzufügen, daß ich Ihn nicht nur für den besseren Lyriker als Lammla halte, sondern für den bedeutendsten deutschen Lyriker unserer Zeit. Einer Zeit, welche sich eigentlich herzlich wenig für Lyrik interessiert. Es sei denn ein weltberühmter, eitler und unendlich überbewerter wie selbstverliebter Trottel namens Günter Grass äußert sich wieder einmal zum politischen Tagesgeschehen und fabriziert dabei einen der häßlichsten und überflüssigsten Versuche in der Geschichte der deutschen Lyrik, und die ganze Republik der Schafsköpfe macht ein Geschrei dabei, als sei der Messias erschienen. Ihr oberlehrerhaftes Geseier über verschwurbelte Grammatik ist dann doch sehr kleingeistig und man könnte mit derselben Intention auch so unterschiedliche Autoren wie Hegel oder Mallarme untersuchen und nachprüfen, ob denn dort alles seine grammatikalische Richtigkeit habe. Aber sowas tun eigentlich nur unproduktive, besserwisserische Pedanten, denen selbst jedes künstlerische Talent fehlt. Es bleibt nur zu sagen, das es glücklicherweise auch im Jahre 2012 noch Menschen gibt, welche einen Sinn haben, für eine edle, erhabene, meinetwegen auch elitäre Sprache und Dichtung deren bedeutendster Vertreter in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Stefan George war, und der in unserer politisch überkorrekten, waschweiberhaften und literarisch wenig aufregenden ” Jetztzeit” ( von einigen, sehr wenigen Ausnahmen abgesehen), nur zwei kongeniale Nachfolger hat, und deren Namen lauten Lammla und Schilling.

2.

Und wir freuen uns mit Ihnen. Schilling kann man in keinem einzigen seiner wunderschönen Verse auch nur ansatzweise eine politisch-ideologische Absicht nachweisen. Und um die Genialitat dieses Dichters zu erkennen bedarf es schon eines Ernst Jünger oder Fritz Usinger. Ein Lyriksammler mit einer Webseite, und in erster Linie grammatikalischen Kentnissen taugt nicht dazu.

Selbst Lammla als rechten Ideologen zu bezeichnen kann wohl nur dann, wenn man von den linksgesteuerten Medien im Geiste der Political Correctness und des
Multikulturalismus indoktriniert wurde. Vaterlandsliebe und Traditionsbewußtsein sind doch unzeitgemäß, oder ? Und wer liest heute noch solche elitären Autoren wie Stefan George oder Friedrich Georg Jünger ? Stattdessen ein Hochlied auf den strahlenden, linken Pöbelpoeten Bert Brecht, denn Kommunismus und Sozialismus sind nach wie vor “en vogue”. Wenn interessiert es da schon, das diese Ideologie und ihre scheinheiligen Verteter im 20. Jahrhundert wesentlich mehr Menschen vernichtet haben als der Faschismus und eine Protagonisten.

3.

Herr X sie sollten sich bedeckt halten. Ihre mehr als mittelmäßigen Versuche, reichen nicht annähernd an Lammlas Gedichte heran und die sogenannte zeitgemäße, freie Form, in welcher fast alle zeitgenössischen Lyriker “dichten”, ist nichts anderes als nicht gekonnte Form. Das Lammla sie beherrscht, macht ihn verständlicherweise bei den modernen Dilletanten unbeliebt. Deswegen sollte jemand mit ihrem doch sehr überschaubarem Talent, sehr zaghaft mit seiner Kritik umgehen.

4.

Rolf Schilling wurde gelobt von Ernst Jünger und dem Lyriker und Georg-Büchner Preisträger Fritz Usinger. Und wer sind Sie , sie armseliger Hampelmann?